Rückenschmerzen durch Bandscheibenvorfall?

Vergleichsweise selten liegt ein Bandscheibenvorfall zugrunde, wenn der Rücken schmerzt. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis einer viel beachteten Studie aus dem Jahre 1994. Bei einer MRT-Untersuchung an knapp einhundert beschwerdefreien Personen, stellte man bei gut der Hälfte der Probanden eine Veränderung (Vorwölbung, Vorfall) an mindestens einer Bandscheibe fest (1994 Sudie, Maureen Jensen, Kalifornien). Um die richtigen Maßnahmen für eine therapeutische Behandlung zu ergreifen, muss eine umfassende Diagnostik zweifelsfrei einen Bandscheibenvorfall als Ursache für die Rückenschmerzen ergeben.

Symptome bei einem Bandscheibenvorfall

Am häufigsten sind Bandscheibenvorfälle (Bandscheibenprolaps, Diskusprolaps) im Bereich der Lendenwirbelsäule, in einem Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Zu erklären ist das verhältnismäßig junge Alter mit dem zunehmenden (langsamen!) Wasserverlust in den späteren Jahren. Der Flüssigkeitsanteil der Bandscheibe wird geringer, sie wird fester und kann sich nicht mehr so leicht verschieben.

Die Rückenschmerzen bei einem Bandscheibenvorfall sind unterschiedlich, je nach dem, auf welches Gewebe die hervortretende Bandscheibe drückt. Drückt sie auf Nervenfasern ist der Schmerz intensiv und oft in Arme oder Beine ausstrahlend. Gefühlsstörungen wie Ameisenlaufen und Taubheitsgefühl können auftreten. In einem fortgeschrittenen Stadium können auch die Muskeln in ihrer Arbeit beeinträchtigt werden oder vollständig ausfallen.

Drückt die Bandscheibe gegen das Rückenmark gibt es, je nach Höhe, unterschiedliche Symptome. Im oberen Bereich der Wirbelsäule kann es zu schweren Spasmen oder Lähmungen kommen. Im Bereich der Lendenwirbel führt es zu Lähmungen im Blasenbereich und in der Beinmuskulatur.

Bei einem Vorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule, mit Druck auf die Nervenfaserbündel (Pferdeschweif, Cauda equina) sind Symptome möglich, wie

  • ein Verlust der Blasen- und Mastdarmfunktion,
  • Sensibilitätsstörungen an den Innenseiten der Oberschenkel
  • sowie im genitalen oder analen Bereich.

Man spricht in der Medizin vom sogenannten Cauda-Syndrom.

Ein positives Lasègue-Zeichen (Dehnungsschmerz beim passiven Anheben eines gestreckten Beines in der Rückenlage) und Kernig-Zeichen (gebeugtes Bein in Rücklage, kann nicht passiv gestreckt werden) gilt, zusammen mit den typischen Symptomen als mögliches Indiz als für einen Bandscheibenvorfall.

Auslöser und Ursachen für Bandscheibenvorfälle

In den meisten Fällen gibt es eine Vorgeschichte. Lediglich durch heftige äußere Einwirkungen (Unfall etc.) wird die Bandscheibe den Faserring durchbrechen können, um auf das umliegende Nervengewebe zu stoßen. Fast immer gibt es eine Vorgeschichte, die eng mit den Lebensgewohnheiten und (In-)Aktivitäten der Person zu tun hat.

Eine Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion, auch inkompletter Vorfall) ist eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Der Faserring, der den Gallertkern der Bandscheibe umgibt, wird dabei nicht durchbrochen. Der Kern dehnt sich in Richtung des Wirbelkanals aus. Dies kann, muss aber nicht zu Schmerzen führen. Genau so gut kann es im weiteren Verlauf zu einem Bandscheibenvorfall führen, muss es aber nicht. Viele Menschen tragen diese Deformationen der Bandscheiben ein Leben lang mit sich, ohne es zu wissen und ohne Beschwerden (Studie: Maureen Jensen).

In vielen Fällen sind einseitige, zu schwere und über längere Zeit ruckartige Belastungen die Gründe für einen Bandscheibenvorfall. Lange Zeit (auch für immer) können diese Veränderungen unbemerkt bleiben. Oft ist es dann eine ruckartige Bewegung oder Belastung, die eine Bandscheibe endgültig aus einem vorgeschädigten, angerissenen Faserring herausdrückt und schlimmstenfalls auf Nervenfasern stößt. Die häufigsten Ursachen sind:

  • genetische Veranlagung
  • einseitige Fehlbelastung
  • Bewegungsarmut (geringe Muskulaturausbildung längs der Wirbelsäule)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft

Hintergrund eines Bandscheibenvorfalls

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Zum besseren Verständnis, wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung entstehen kann, ein kurzer Ausflug in die Anatomie und Funktionsweise der Bandscheibe. Die Zwischenwirbelscheibe (Bandscheibe, Discus intervertebralis) besteht aus einem gallertartigen, wasserhaltigen Kern (Anulus pulposus), umgeben von einem knorpeligen Faserring (Anulus fibrosus). Der Kern hält den Faserring mit leichtem Druck unter Spannung. Die Aufgabe der Bandscheiben ist es, Stöße auf die Wirbelsäule abzufedern und ihre Beweglichkeit zu gewährleisten.

Damit die Bandscheibe ihren Aufgaben gerecht werden kann, ist der Wasserhaushalt von großer Bedeutung. Bei Belastung gibt der Kern durch seine Außenhaut Wasser ab. Sobald die Belastung nachlässt, wird wieder Wasser aufgenommen. Diese Eigenschaft ist dafür verantwortlich, dass der Mensch morgens größer als abends ist und warum Menschen mit zunehmendem Alter kleiner werden.

Nur ein gesunder Stoffwechsel und ein steter Wechsel zwischen Auf- und Abbau des Wasserhaushaltes der Bandscheiben gewährleisten eine reibungslose Funktionsfähigkeit bis ins Alter. Daher sind regelmäßige Bewegung und die Vermeidung ständiger einseitiger oder ruckartiger Belastungen, die Voraussetzungen für eine gesunde Wirbelsäule.
Erst wenn der Faserring angerissen oder gar gerissen ist, dringt der Kern nach außen und kann Schäden an den Nerven im Rückenmark oder an den seitlich austretenden Nervensträngen verursachen. Die Art der Symptome richten sich danach, an welcher Höhe der Wirbel liegt (Hals-, Brust- oder Lendenwirbel) und in welche Richtung die Bandscheibe sich bewegt.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

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Bei ernsthaften Hinweisen, die auf einen Bandscheibenvorfall deuten, muss zwingend eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Die Fachbereiche für eine umfassende Diagnostik sind die Orthopädie und die Neurologie. Hier wird man die nötigen diagnostischen Verfahren durchführen:

  • Röntgen
  • Computertomografie
  • Magnetresonanztherapie
  • Überprüfung der Reflexe
  • Pulsmessung an den Extremitäten

Es erfolgt eine Untersuchung nach Hinweisen auf die Red Flags. Das sind festgelegte Symptome, die darauf hinweisen, dass dringender Handlungsbedarf besteht:

  • Schmerz verschlimmert sich nachts
  • fortschreitende Nervenausfälle
  • nachlassende Schmerzen zugleich Lähmungserscheinungen
  • Cauda-Syndrom
  • Störung der Harnblasenentleerung
  • Unfall, Mikroverletzungen
  • Osteoporose, Krebserkrankung
  • Infektion, Fieber
  • plötzlicher Gewichtsverlust

Medizinisch unterscheidet man zwei Behandlungsmethoden um einen Bandscheibenvorfall zu therapieren, die konservative und operative Methode.

Konservative Behandlungsmethode eines Bandscheibenvorfalls

Die konservative Behandlung erfolgt über ungefähr vier bis sechs Wochen. Den meisten Patienten kann damit ohne Operation geholfen werden.
Bei der konservativen Therapie geht es in erster Linie darum, die Schmerzen zu reduzieren, um damit die Beweglichkeit wieder vollständig herzustellen. Sie ist angesagt, wenn es dem Patienten noch möglich ist sich zu bewegen. Bettruhe wird in diesen Fällen nicht empfohlen, sondern moderate stete Bewegung. Die Schmerzen werden medikamentös behandelt, mit Wärmeanwendungen und speziellen Massagen. Dann folgt eine professionelle Bewegungstherapie.

Operation eines Bandscheibenvorfalls

Werden jedoch Parameter aus den „Red Flags“ festgestellt, sollte eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen. Bei vorliegenden Nervenschäden und wenn sich nach der konservativen Methode in wenigen Wochen keine Besserung einstellt, muss eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dafür kommt immer öfter die nicht invasive Methode zum Einsatz. Das heißt, es wird ambulant, unter lokaler Betäubung und mit einem minimalem Eingriff ins Gewebe operiert. Diese Methode funktioniert am besten bei unkomplizierten und frisch entstandenen Bandscheibenvorfällen.

Egal ob nach einer erfolgreich überstandenen Therapie oder Operation, die gesamte Rumpfmuskulatur vorn und hinten muss trainiert werden. Es gilt, gesunde Bewegungsabläufe in Beruf und Freizeit einzuüben. Dafür gibt es spezielle physiotherapeutische Kurse, die unbedingt in Anspruch genommen werden sollten.

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