Nackenschmerzen nach Schleudertrauma

Das Schleudertrauma ist wohl eine der häufigsten Auswirkungen bei Unfällen, speziell Auffahrunfällen. Da ein Schleudertrauma, auch Peitschenschlagverletzung genannt, häufig mit der Frage verknüpft wird: „Wann zahlt die Versicherung?“, wird es oft belächelt und scheint den meisten wohl bestens bekannt.

Schleudertrauma (HWS-Distorsion) als Ursache für Nackenschmerzen

In der Medizin bezeichnet man das Schleudertrauma mit HWS-Distorsion, was nichts anders heißt als Halswirbelsäulen-Verstauchung. Ein oder mehrere Gelenke im Halswirbelbereich sind durch eine physikalische Einwirkung von außen verletzt und in ihrer Bewegung eingeschränkt. Davon betroffen sind in erster Linie das Bindegewebe, das Muskelgewebe und die Bandstrukturen der Gelenke.

Dazu kann es kommen, wenn eine Kraft von außen plötzlich auf die recht labilen Halswirbel einwirkt. Weil dies unerwartet geschieht, sind die Muskeln entspannt und können den Halsbereich somit nicht schützen. Häufig ist dies eben bei

  • Autounfällen,
  • bei Freizeitvergnügen
  • auf der Kirmes oder
  • bei schnellen Sportarten

der Fall.

Unfallfolge: Schleudertrauma (HWS-Distorsion), was tun?

Kommt es bei einem Unfall zu vermuteten oder tatsächlichen Personenschäden, ist meistens auch recht zeitnah ein Notarztwagen vor Ort. Im Krankenhaus finden weitere Untersuchungen statt, die dann feststellen, ob, und vor allem in welcher Qualität, ein Schleudertrauma vorliegt.

Anders sieht das bei den sogenannten Bagatelle-Auffahrunfällen aus, wenn kein Notarzt gerufen wird. Die plötzlichen Einwirkungen der Kräfte auf die sensible Halswirbelsäule zeigen sich nicht unbedingt sofort. Auch bis zu 72 Stunden nach dem Unfall können sich noch die ersten Symptome bemerkbar machen. Eine HWS-Distorsion bezeichnet eine Zerrung der Halswirbelsäule. Das ist das häufigste Krankheitsbild nach einem Verkehrsunfall. Von einem HWS-Syndrom spricht man erst, wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum andauern, bzw. chronisch werden.

Woran erkennt man als Betroffener ein Schleudertrauma?

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Typisch sind Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Nackenbereich. Je nach Heftigkeit und Position des Kopfes während des Aufpralls sind

  • Überdehnungen,
  • Luxationen (Verrenkungen) und
  • Rupturen (Risse)

der weichen Strukturen im Halswirbelbereich für die Schmerzen verantwortlich.

Sehr selten und in schlimmsten Fällen kann es zu Wirbelfrakturen, Muskelfaserrisse oder einer Beschädigung der Arteria vertebralis kommen. Die unterschiedlichen Symptome treten meistens unmittelbar nach dem Vorfall auf, können sich aber in wenigen Fällen auch erst ein oder zwei Tage danach bemerkbar machen.

Symptome eines Schleudertraumas

  • Nackenschmerzen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Schwitzen
  • Sehstörungen
  • Schluckstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Depressive Verstimmungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Lähmungserscheinungen

Bei einer ärztlichen Untersuchung reichen zunächst eine äußerliche Inspektion, sowie die Schilderung des Auslösers für die Diagnose „HWS-Distorsion“ aus. Nur in ganz schweren Fällen werden

  • Röntgenaufnahmen,
  • seltener die Computertomografie (CT) oder
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

hinzugezogen.

Bei Verdacht auf Schleudertrauma sofort den Arzt aufsuchen

Bei einem Verdacht auf Schleudertrauma, besonders bei starken oder verzögert auftretenden Symptomen, sollte man dies auf jeden Fall ärztlich abklären lassen. Wenn es Anzeichen dafür gibt, dass auch Nerven in Mitleidenschaft gezogen wurden, bei

  • Taubheitsgefühlen,
  • Lähmungserscheinungen,
  • Übelkeit und
  • Erbrechen

sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Nackenschmerzen sind eines der ersten und auffälligsten Symptome bei einem Schleudertrauma. Durch den plötzlichen, horizontalen Stoß werden die Bänder, Sehnen und Gefäße im Kopfbereich unnatürlich belastet. Die entstehenden Schmerzen gleichen denen eines Muskelkaters. Die Grenzen zwischen diesen, von selbst heilenden, Auswirkungen und einem Schleudertrauma-Syndrom (Schmerzen werden chronisch) oder gar einem Bandscheibenvorfall, sind fließend. Das ist der Grund, weshalb grundsätzlich zu einem Arztbesuch geraten wird.

Welcher Arzt bei Verdacht auf Schleudertrauma?

In der Regel geht dem Verdacht auf Schleudertrauma ein Unfall mit dem Auto oder beim Sport voraus. Wird ein Krankenwagen gerufen, erfolgt die Untersuchung in der Notfallambulanz. Ansonsten sollte, bei einem Verdacht, zunächst die Hausärztin, der Hausarzt konsultiert werden.

Ist Tapen bei Schleudertrauma sinnvoll?

Nach einer ärztlichen Untersuchung ist es auf jeden Fall sinnvoll, den Heilungsprozess des Schleudertraumas durch Tapen zu unterstützen. Halskrausen werden nur noch in Einzelfällen verordnet. Durch das Tapen wird die Muskelarbeit unterstützt, sodass sanfte Bewegung möglich sind. Außerdem werden die Selbstheilungskräfte unterstützt und die Nervenschmerzen reduziert.

Wie lange dauert ein Schleudertrauma?

Wie lange und heftig man unter einem Schleudertrauma zu leiden hat, ist abhängig von der Stärke der Schädigungen. Die Medizin teilt ein Schleudertrauma dementsprechend in Gradzahlen ein (0 schwach – 4 schwer). Die Heilungsdauer liegt entsprechend zwischen einigen Tagen und wenigen Wochen.

Chronisches Schleudertrauma

Als offiziell chronisch gilt ein Schleudertrauma dann, wenn Symptome noch länger als fünf bis sechs Monate nach dem Unfall wahrgenommen werden. Das Risiko für Spätfolgen ist, laut Studien, als sehr gering einzuschätzen. Lediglich drei Prozent haben laut einer Schweizer Studie noch nach zwei Jahren Beschwerden, die sie im Alltags- und Berufsleben einschränken. Ist es beim Unfall zu Verstauchungen gekommen, kann es bis zur völligen Beschwerdefreiheit durchaus einige Monate andauern.

Schweregrade von Schleudertraumata

Bei der Diagnose kann der Arzt den Schweregrad des Schleudertraumas bestimmen. Dafür dient ihm entweder die Klassifikation nach Erdmann oder die Klassifikation nach der Quebec Task Force als Grundlage. Beide sind ungefähr nach dem gleichen Schema eingeteilt. 4-5 Grade geben die Steigerung an von „ohne pathologischen Befund“ über muskuläre-, neurologische Befunde bis hin zur Frakturen.

Grad 0

keine wahrnehmbaren Symptome
-> kein Handlungsbedarf

Grad 1

Nackenschmerzen
-> es erfolgt in der Regel eine Röntgenaufnahme des Nackens von vorn und von der Seite

Grad 2

Nackenschmerzen und Störungen im Bereich der Muskeln und der knöchernen Strukturen
-> Röntgenaufnahmen wie bei Grad 1

Grad 3

Nackenschmerzen, Muskel- und Skelett-Störungen, neurologische Ausfälle
->Röntgen aufnahmen wie bei Grad 1

Grad 4

Nackenschmerzen, Muskel- und Skelett-Störungen, neurologische Ausfälle und Brüche, Verrenkung der Gelenke
-> sofortige Überweisung an die Neurochirurgie oder/und Orthopädie

Therapie eines Schleudertramas

In den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird geraten, keine besonderen Therapien bei einer HWS-Distorsion (Erdmann Grad 1) anzuwenden. Das heißt, keine Immobilisation (keine Halskrause) nur eine leichte Schonung (1-2 Tage) mit normalen Bewegungen. Dazu Wärmeanwendungen, ggf. leichte Schmerzmittel gegen die Schmerzen.

Halskrause bei Schleudertrauma ist zweifelhaft

Selbst innerhalb der Ärzteschaft wird die Verordnung einer Halskrause, Fachbegriff Schanz-Kragen, sehr kontrovers diskutiert. Zweifelsfrei wurde inzwischen aber festgestellt, dass es für eine rasche Heilung auf jeden Fall besser ist, keine längere Schonhaltung oder Stütze in Anspruch zu nehmen. Gerade in den ersten Tagen empfinden jedoch viele eine zeitweise Stabilisierung als Erleichterung. Daher sollten den Patienten mit einer entsprechenden Aufklärung immer die Möglichkeit gegeben werden, selbst zu entscheiden was ihnen gut tut.

Physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen gegen schmerzhafte Symptome eines Schleudertraumas:

  • Wärmeanwendungen (Wärmekissen, Wärmepflaster, heiße Wasseranwendungen)
  • Kälteanwendungen (z. B. Cold-Packs, kalte Umschläge)
  • Massagen zur Durchblutungsförderung der Muskeln
  • Bewegungstherapie (gezielte Nackenübungen)
  • Entspannungs- und Dehnungsübungen
  • Krankengymnastik (bei neuronalen Ausfällen)
  • psychotherapeutische Maßnahmen gegen Chronifizierung der Schmerzen

Warum ist Bewegung besser statt Schonung bei einem Schleudertrauma?

In den allermeisten Fällen (über 80%) kommt es bei einem Schleudertrauma zu einer übermäßigen Dehnung der Muskelfasern im Nacken. Die dadurch entstehenden Schmerzen kann man mit einem Muskelkater vergleichen. Je untrainierter übrigens die Nackenmuskulatur ist, desto heftiger fallen die Symptome eines Schleudertraumas aus.

Eine Ruhigstellung begünstigt den sogenannten Immobilisationsschmerz und eine damit verbundene Chronifizierung der Leiden. Obwohl dies längst bekannt ist, werden kurioserweise immer noch weit über die Hälfte aller Fälle mit einer Halsmanschette therapiert. Eine Ruhigstellung des Nackenbereiches bei einem Schleudertrauma macht nur Sinn bei ernsthaften strukturellen Schäden an den Bänder- und Knochenstrukturen der Halswirbelsäule.

Die empfohlene Therapie einer HWS-Distorsion, nach den aktuellen Erkenntnissen der Medizin lautet demnach:

  • Schmerzstillung (Medikamente, physikalische Maßnahmen)
  • Krankengymnastik

Übungen bei Schleudertrauma

Nicht direkt ein Hausmittel, aber bei weitem die effektivste Therapie gegen die Nackenschmerzen nach einem Schleudertrauma sind spezielle Übungen. Am besten mit einer physiotherapeutischen Anleitung. Einige Übungen, behutsam durchgeführt, können bei einem leichten Schleudertrauma helfen, die Phase der schmerzenden und steifen Muskeln zu verkürzen. Alle Bewegungen und Übungen sollten nur so lange und intensiv durchgeführt werden, so lange sich die Schmerzen dabei nicht verschlimmern.

Sobald es also möglich ist, kann man damit beginnen, folgende kurze Bewegungsabläufe durchzuführen:

  • Mit geraden Rücken sitzend den Kopf langsam und vorsichtig zur Seite drehen,
  • einmal auf und ab nicken und dann das gleiche zur anderen Seite.
  • Das Kinn sanft senken und den Kopf langsam von einer zur anderen Seite drehen.
  • Den Kopf abwechselnd nach hinten schieben (Doppelkinn) und nach vorn (langer Nacken).

Nachdem die Beweglichkeit einigermaßen hergestellt ist, sollten die Muskeln mit gezielten Dehnübungen sowie Übungen zur Kräftigung trainiert werden.

Schleudertrauma: juristisch, medizinisch betrachtet

So geht man juristisch davon aus, dass bei einer Geschwindigkeitsdifferenz von 15 bis 30 km/h auf jeden Fall eine Halswirbelsäulen-Distorsion (Schleudertrauma) vorliegt. Ab 12 km/h kann bereits ein medizinisches Gutachten, aufgrund einer Befragung des Patienten, zur Diagnose HWS-Distorsion führen. Da es fast bei jedem „Aufeinandertreffen“ von Fahrzeugen zu unangenehmen Auswirkungen auf die Halswirbelsäule kommt, mit zum Teil enorm kostenintensiven Langzeitfolgen für die Versicherungen, ist dieser medizinische Bereich hier eng mit dem juristischen Fachbereich verknüpft.

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