Nackenschmerzen in der Schwangerschaft

Im Laufe des Lebens verändert sich der Körper ständig. Er altert, er pubertiert, durchläuft die Wechseljahre, wird mal krank und wieder gesund. Doch in kaum einer Phase macht der weibliche Körper in so kurzer Zeit so tief greifende Veränderungen durch, wie in der Schwangerschaft. Es gibt kaum eine Körperzelle, kein Tröpfchen Blut und keine Muskelfaser, die sich nicht in irgendeiner Art und Weise auf das heranwachsende Lebewesen einstellen muss. Leider kann es bei diesen Veränderungen auch zu Nackenschmerzen während der Schwangerschaft kommen. Ziemlich häufig sogar.

Warum bekommt man häufig Nackenschmerzen, wenn man schwanger ist?

Zwar verursacht die Schwangerschaft nicht die Nackenschmerzen, kann sie aber begünstigen. Dafür sind in der Hauptsache diese drei Faktoren verantwortlich:

Nackenschmerzen durch Hormone in der Schwangerschaft

In den ersten drei Monaten kommt es zu einer starken Veränderung des Hormonhaushaltes. Unter anderem sorgt das Hormon Relaxin dafür, dass Bänder, Sehnen und Muskeln nachgiebiger werden. Diese Strukturen werden gewissermaßen geschwächt, um dem heranwachsenden Fötus Platz zu schaffen und letztendlich die Geburt zu ermöglichen. Die Anfälligkeit für Überdehnungen und Zerrungen steigt. Zusätzlich fördert das Hormon Progesteron die Entspannungsfähigkeit der Muskeln. Eigentlich nicht schlecht, wenn sich die Muskeln entspannen. Doch mit der vermehrten Belastung der Muskeln durch ein schwächeres Binde- und Stützgewebe kann es, im Zusammenhang mit den ungewohnten Belastungen, durch Kompensation und Schonhaltung, schnell zu Verspannungen kommen.

Nackenschmerzen durch Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Die stete Gewichtszunahme und die damit verbundene Veränderung des Körperschwerpunktes führen schnell zu Fehlhaltungen, die darauf hin wieder zu Muskelverspannungen bis in den Nackenbereich führen können. In den letzten Schwangerschaftswochen legt auch die Brust an Gewicht zu. Um dies auszugleichen werden häufig die Schultern nach hinten gezogen. Auch dies kann in der Folge zu Verspannungen im Nackenbereich führen.

Nackenschmerzen durch Verspannungen in der Schwangerschaft

Nicht zuletzt benötigt das heranwachsende Kind immer mehr Platz. Durch die Ausweitung der Gebärmutter werden die umliegenden Organe immer mehr eingeengt. Hier und da kommt es dabei zu unangenehmen Empfindungen, die automatisch durch eine kompensatorische Haltung umgangen werden. Dadurch entstehen nicht selten muskulären Verspannungen. Wenn die gesamte Statik des Körpers aus der Balance gerät, ist der Nackenbereich, mit seiner hohen Beweglichkeit besonders anfällig.

Wie lange dauern die Nackenschmerzen in der Schwangerschaft und wann gibt es Grund zur Besorgnis?

In der Regel lassen sich die Verspannungsschmerzen im Nacken mit einfachen Hausmitteln lindern. Doch wenn all diese Anwendungen nicht helfen und sich die Schmerzen auch nach einer Woche eher intensivieren als abschwächen, ist ärztlicher Rat gefragt. Hier muss abgeklärt werden, ob nicht doch eine konkrete orthopädische oder internistische Ursache dahinter steckt.
Der erste Anlaufpunkt sollte die Frauenärztin, der Frauenarzt sein. Hier kann dann gemeinsam entschieden werden, ob eine Überweisung in eine orthopädische oder internistische Praxis nötig ist.

Medikamente gegen die Schmerzen?

Mit der Empfehlung von Medikamenten während der Schwangerschaft und Stillzeit, wird man von ärztlicher Seite sehr zurückhaltend sein. Bei einer starken Schmerzsymptomatik ohne ernsthafte Erkrankung im Hintergrund lohnt es sich auch mal, neben den konservativen physiotherapeutischen Maßnahmen, in der Naturheilkunde nach schmerzlindernden Lösungen zu suchen. Hebammen sind hier oft die besten Ansprechpartnerinnen. Akupunktur, pflanzliche und homöopathische Mittel sind sanfte Möglichkeiten, wirkungsvoll gegen hartnäckige Schmerzen anzugehen.

Sollte als letztes Mittel doch ein pharmazeutisches Schmerzmedikament gewünscht oder erforderlich sein, dann nur in ärztlicher Absprache. Doch zuvor sollte die Frau in der Schwangerschaft, bei verspannungsbedingten Nackenschmerzen, alle sanften und nebenwirkungsfreien Maßnahmen ausschöpfen.

Lassen sich Nackenschmerzen in der Schwangerschaft verhindern?

Mit Sicherheit lassen sich gelegentliche Verspannungen im Nackenbereich während der Schwangerschaft vielleicht nicht verhindern. Doch kann man im Vorfeld viel dafür tun, das Risiko zu vermindern oder zumindest die Heftigkeit und Präsens der Schmerzen abzumildern.

Zur Vorbeugung gibt es zwei Ansätze: Bewegung und ein ergonomisch angepasstes Umfeld für die Arbeit und in der Nacht. Anders ausgedrückt, gut ausgebildete Muskeln und eine wirbelsäulengerechte Haltung bzw. Lagerung.

Die richtige Lagerung während des Schlafens in der Schwangerschaft

Besonders während einer Schwangerschaft ist es wichtig, auf die Qualität und Ergonomie von Matratze und Kopfkissen zu achten. Es kann durchaus helfen, Nackenschmerzen zu verhindern, wenn man sich für diese Zeit ein anderes oder auch ein, zwei zusätzliche Kissen anschafft. Der Fachmarkt hat auf diesem Gebiet viele Variationen zu bieten. Hier habe ich zahlreiche Kissen mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Ein gesunder und schmerzfreier Schlaf ist gerade in der Schwangerschaft sehr wichtig. Leider wird er sehr oft durch eine unangepasste oder einfach unbequeme Lagerung unmöglich gemacht.

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Die richtige Haltung am Tage

Langes Stehen oder langes Sitzen, das mag keine Wirbelsäule. Unter gewissen Umständen ist es gerade zu eine Herausforderung an den Halte- und Stützapparat, sich zu wehren und mit heftigen Schmerzen auf sich aufmerksam zu machen. Eine gute Vorbeugung gegen Nackenschmerzen ist es also auch, sein tägliches Umfeld und Verhalten wirbelsäulengerecht zu gestalten. Das heißt, bei hauptsächlich sitzenden Tätigkeiten für ergonomische Sitzmöbel sorgen. Gut ist es, wenn es Möglichkeiten gibt, die Sitzpositionen und Sitzmöbel zu wechseln oder auch zwischenzeitlich stehen zu können.

Stehende Tätigkeiten sollten dahingehend verändert werden, dass es möglich ist, sich zwischendurch immer wieder zu bewegen, anzulehnen oder hinzusetzen.

Die Muskeln fit machen für die Schwangerschaft

Starke Muskeln können ein geschwächtes Binde- und Stützgewebe schützen. Trainierte Muskeln verspannen nicht so leicht wie untrainierte Muskelfasern. Das sollten für alle (jungen) Frauen genügend Gründe sein, regelmäßig in irgendeiner Art und Weise ihre Muskulatur zu trainieren. Besonders wichtig ist dabei die gesamte Rumpfmuskulatur mit dem Schultergürtel- und Nackenbereich. Nicht jede Frau möchte regelmäßig an irgendwelchen Maschinen im Fitnessstudio trainieren, das ist verständlich. Hier ein Beispiel für drei vergnügliche Sportarten, die besonders gut für die Wirbelsäulenmuskulatur sind und die sich fast wie nebenbei in den Alltag integrieren lassen.

Radfahren

  • stabilisiert die gesamte Muskulatur rund um die Wirbelsäule
  • entlastet Hüft- und Kniegelenke
  • stärkt die Beinmuskulatur

Schwimmen

  • hauptsächlich Rückenschwimmen und Kraulschwimmen
  • trainiert die kleine Muskulatur rund um die Wirbelsäule
  • Halswirbelsäule wird nicht belastet

Yoga

  • mit gezielten Übungen Muskelpartien im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich trainieren
  • gleichzeitig körperliche und mentale Entspannung
  • richtige Atmung für eine optimale Sauerstoffversorgung

Die besten Übungen für Schwangere bei Nackenschmerzen

Doch nun sind sie nunmal da, die quälenden, lästigen Nackenschmerzen. Neben physikalische Maßnahmen ist nach wie vor Bewegung die beste Medizin, ohne der zukünftigen Mutter und ihrem Kind Schaden zuzufügen. Es sind in der Regel Verspannungen. Muskeln, von denen man bisher nicht geahnt hat, dass sie existieren, werden durch Fehl- und Schonhaltungen ohne Vorwarnung überstrapaziert. Ganz wichtig ist also, dass ständiges Liegen und Sitzen die Nackenschmerzen verschlimmert. Bewegung ist wichtig, wenn natürlich im gesunden Maße, wie das immer bei Schwangeren der Fall sein sollte. Man muss keine Marathons laufen um Nackenschmerzen zu vermeiden. Aber regelmäßige Spaziergänge, leichte Hausarbeit, spielen mit den Kindern und leichter Sport (wie Gymnastik) sind wichtig!

Die nachfolgend beschriebenen Übungen sind einfach und fast überall durchzuführen:

Nacken dehnen

  • in gerader Haltung auf einem Stuhl sitzen
  • die rechte Hand greift gerade runter, die Sitzfläche von unten
  • die linke Hand fasst auf und etwas über den Kopf
  • der Kopf dreht sich um 45 Grad zur linken Seite
  • mit dem Ausatmen den Kopf sanft nach unten ziehen
  • dadurch neigt sich der Kopf zur linken Schulter
  • Position halten
  • einatmen, lösen und zur Mitte zurück
  • Seitenwechsel
  • die Schultern bleiben während der ganzen Übung unten

Schulter- Nackenmuskulatur lockern

  • auf der vorderen Kante eines Stuhles sitzen
  • die Füße stehen auf dem Boden
  • die Finger nun auf beiden Seiten auf die Schultern legen
  • die Oberarme sind waagerecht auf Schulterhöhe und seitlich abgespreizt
  • beim Ausatmen die beiden Ellenbogen vor der Brust zusammenführen
  • einatmen und wieder zurück

Stärkung der hinteren Nackenmuskulatur

  • gerade auf einem Stuhl sitzen
  • der Kopf ist gerade, der Blick nach vorn gerichtet
  • beide Hände flach gegen die Stirn legen
  • mit dem Kopf nun gegen die Hände drücken, ein- und ausatmen
  • weder Hände noch Kopf bewegen sich dabei
  • beide Hände verschränken sich am Hinterkopf
  • mit dem Kopf gegen die Hände drücken, ein- und ausatmen
  • weder Hände noch Kopf verlassen ihre Positionen

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